Glutensensitivität

Neben der Zöliakie und Weizenallergie  gibt es eine weitere Art der Glutenunverträglichkeit, die sogenannte Glutensensitivität. Es gibt bisher keine diagnostische Möglichkeit, diese Überempfindlichkeit nachzuweisen und dennoch profitieren die Betroffenen von einer glutenarmen Ernährung.

Die Beschwerden der Patienten sind vielfältig und beschränken sich nicht auf den Magen-Darm-Trakt. Bei chronischer Müdigkeit, einem schlechten Hautbild mit Ekzemen, bei immer wieder auftretenden Kopfschmerzen oder auch Muskelkrämpfen, Aufmerksamkeitsdefizitstörungen und Hyperaktivität oder auch Gelenkschmerzen sollte man, wenn keine organischen Ursachen gefunden wurden, an eine Glutensensivität denken.

In der Praxis ist es schwer, der Erkrankung auf die Spur zu kommen. Manchmal hilft aber der Zufall. So im Fall einer 38 jährigen Patientin. Sie wurde vorstellig aufgrund explosionsartiger Durchfälle. Die Patientin hatte Angst vor Dienstreisen und Besprechungen, weil sie immer darauf achten musste, dass eine Toilette in der Nähe ist. Für sie bedeutete das eine deutliche Einschränkung ihrer Lebensqualität. Unzählige Untersuchungen waren ohne Befund. In den ersten Gesprächen mit der Patientin hegte ich den Verdacht, dass sie unter einer Fructoseintoleranz leidet. Ich habe damals einen Ernährungsplan erarbeitet. Sie sollte konsequent Fruchtzucker meiden und weil sie Allergikerin ist, empfahl ich, einige Wochen kein Weizengluten zu sich zu nehmen. Schon nach wenigen Tagen war der Stuhlgang normal und die Patientin überglücklich. Der vorsichtige Kostaufbau brachte anschließend die Ursache ans Licht. Eine kleine Menge Obst zu den Mahlzeiten waren für die Patientin kein Problem, aber ein paar Scheiben Weißbrot zum Grillen oder eine Portion Nudeln bedeuteten den Rückfall. Die nächsten Stunden waren vom Krämpfen und Durchfall geprägt

Eine glutenfreie Ernährung ist eine große Herausforderung für jeden Patienten. Klebereiweiß zaubert nicht nur leckere Backwaren sondern dient auch als Emulgator zum Binden von Wasser und Fett. Fettarme Joghurts oder auch Magerkäse, Streichkäse und Wurstwaren werden oft mit Gluten angereichert. Auch in Zahncremes und Medikamenten kann sich Gluten verstecken.  Es gibt mittlerweile eine große Auswahl an glutenfreien Lebensmitteln im Handel. Die Produkte sind mit dem Symbol der durchgestrichenen Ähre oder dem claim „glutenfrei“ gekennzeichnet. Das Label mit der durchgestrichenen Ähre wird von der  Deutschen  Zöliakie-Gesellschaft an Hersteller vergeben, die durch hohe Qualitätsstandards und Analysen die Glutenfreiheit ihrer Produkte garantieren können.

Ist der Verdacht einer Glutensensitivitätvität  gegeben, ist es wichtig, einige Wochen möglichst glutenarm zu essen.

Hat sich das Beschwerdebild nach einer Karenzzeit erst einmal gebessert,  genügt es bei vielen Patienten, glutenhaltige Lebensmittel zu reduzieren vornehmlich über die Einschränkung von Brot, Nudeln und Kuchen im täglichen Speiseplan.

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